Unterstützung geben und Perspektiven ermöglichen

Am

von

Adisa Hotic

Die Arbeit des Zentrums Fenix, in Sanski Most, Nord-Bosnien, ist vielfältig: Schwangere, Menschen in Not, Kleinkinder, alte Menschen – viele werden von dem Zentrum betreut und begleitet und es ist mittlerweile einer der größten Arbeitgeber in der Kleinstadt.

Adisa Hotic von Fenix berichtet: Wir wollen gerne einen jungen Mann vorstellen, er heißt Elvedin Babaca und ist gerade 19 Jahre alt. Er ist im Altenheim "Goldener Herbst" als Altenpfleger angestellt. Alles wäre keine besondere Geschichte, aber der erste Kontakt von Elvedin zu Fenix liegt schon einige Jahre zurück. Es begann – wie viele andere Geschichten in Fenix – mit einer Geburt. Und zwar nicht mit einem Kind, sondern mit Drillingen – Drillingsschwestern, die Elvedins Mutter zur Welt gebracht hatte. Da sie von niemandem Unterstützung bekommen hatte, hat sie sich an Fenix gewandt. Ihr Mann und sie waren arbeitslos, sie hatten zwei ältere Söhne und dann noch die Drillinge! Also, eine siebenköpfige Familie ohne jegliches Einkommen. Sie wohnen in einem Dorf, weit außerhalb, sehr abgelegen. Durch Selbstversorgung der kleinen Landwirtschaft versuchten sie ihre Grundversorgung zu gewährleisten, aber durch die Geburt der drei Schwestern, funktionierte das nicht mehr.

So hat sich die Mutter mit unserer Hebamme Emina in die Verbindung gesetzt. Emina hat sie viele Male zu Hause besucht und Hebammenhilfe geleistet, sie hat sich aber auch dafür eingesetzt, dass Hilfen die Familie erreichten. So organisierten wir die Windeln, Nahrung, ein wenig finanzielle Unterstützung, Lebensmittelpakete und vieles mehr.

Es war stets ein enger Kontakt zu der Familie und wir überlegten regelmäßig gemeinsam, wie die Situation zu grundsätzlich verbessert werden kann. Die Mutter äußerte irgendwann den Wunsch nach einer Kuh. Sie hatten genügend Land, einen Stall, konnten sich aber keine Kuh leisten. Eine eigene Milchproduktion könnte ihre Ernährungssituation erheblich verbessern, vielleicht könnten sie auch Milch verkaufen und dadurch Einkommen generieren, so war ihre Überlegung. Wir verbreiteten diese Idee in unserem Unterstützernetzwerk und tatsächlich konnte in Deutschland so viel Geld gesammelt werden, dass eine Kuh gekauft werden konnte. Und seitdem geht es der Familie viel besser.

Elvedin im AltenheimDann boten wir als neues Projekt eine AltenpflegerInnen Ausbildung an. Für einen Sohn haben wir die Chance gesehen und ihm und der Familie vorgeschlagen, sich für die Ausbildung zu bewerben. Durch Spenden aus Deutschland konnten wir die Ausbildungskosten zu 50 % decken – die anderen 50% wurden von Fenix übernommen. Die Familie hat die täglichen Bustickets und das Essen bezahlt. Und dann kam Elvedin, fleißig und hoch engagiert. Er hat gut gelernt und schnell altenpflegerische Kompetenzen entwickelt und die Ausbildung sehr gut abgeschlossen.

Inzwischen hat der Vater einen Saisonjob in Kroatien gefunden und der andere Bruder ist zum Arbeiten ins Ausland gegangen. Somit geht es der Familie finanziell viel besser.

Nach der Altenpfleger Ausbildung konnten wir Elvedin leider nicht weiter beschäftigen, blieben aber mit ihm in Kontakt. Nach einigen Monaten, fragte er an, ob er noch Zusatzpraktikum machen könne, was wir gerne ermöglichten. Inzwischen haben wir unser Altenheim aufgestockt, weitere Zimmer angebaut und damit neue Arbeitsplätze geschaffen. Da Elvedin einen guten und empathischen Umgang mit den BewohnerInnen hat und weiterhin hoch engagiert ist, boten wir ihm eine Arbeitsstelle an, die er mit großer Freude angenommen hatte. Jetzt arbeitet er schon einige Monate bei uns und ist überglücklich. Er wohnt im Zentrum Fenix wenn er Dienst hat, da sein Zuhause zu weit weg ist. Aber er macht nun den Führerschein um unabhängig zu sein. Er möchte nicht, wie so viele junge Menschen, Bosnien verlassen und im Ausland arbeiten. Er ist froh, dass er in Sanski Most, in der Nähe seiner Familie, eine Perspektive gefunden hat. Und wir freuen uns, dass unsere Angebote ineinander greifen, dass wir Menschen darin unterstützen können, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können und sich Perspektiven aufbauen.

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