Ehre, wem Ehre gebührt!

Am

von

Reinhard Jung

„Täter, Widerständler und Retter 1939-1945“; ein neues Buch von Prof. Wolfram Wette

In der Schriftenreihe „Geschichte & Frieden“ im Bremer Donat Verlag ist dieses neue und eindrucksvolle Buch des Freiburger Historikers Wolfram Wette erschienen.

Nicht nur der Druckkostenzuschuss den die schwelle dafür gegeben hat, verbindet uns mit diesem Buch, nein es wirkt wie ein Abschluss einer über ein Jahrzehnt dauernden Forschungsarbeit und Kooperation mit der Stiftung die schwelle in der Erforschung der "Retter" im Nationalsozialismus durch den Arbeitskreis Historische Friedenforschung (AKHF). Die erste Veröffentlichung verschiedener Autoren dazu, von Wolfram Wette herausgegeben, erschien schon im Jahr 2002 unter dem Titel "Retter in Uniform" im Fischer Verlag und war Dirk Heinrichs gewidmet, dem Gründer der Stiftung, der das zugrundeliegende Forschungsprojekt im AKHF angeregt hatte und selbst einen Beitrag über den Retter des "Pianisten" Wilm Hosenfeld verfasst hatte. Es folgte 2004 der Band "Zivilcourage – Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS" mit einem Geleitwort des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau.

Hosenfeld ist auch ein Kapitel in dem 3. Abschnitt des neuen Buches von Wette gewidmet, das den schönen Titel trägt "Die unbesungenen Helden des Rettungswiderstandes".

Im ersten Abschnitt aber geht es um die "Täter", insbesondere aus der Wehrmacht, aber ebenso um hohe SS-Führer. Vor allem geht es dabei um das "Verschwinden" und die "Entlastung" ehemaliger Wehrmachtsgeneräle und -richter in den 50er und 60er Jahren der Bundesrepublik. "Frühe Selbstent­lastung der Wehrmachtsrichter – späte Rehabilitierung ihrer Opfer" – diese Überschrift des letzten Kapitels des ersten Teils gilt in modifizierter Form für die gesamte Geschichte der Bundesrepublik im Umgang mit Tätern, Rettern und Opfern in der Nazizeit.

Auch im 2. Abschnitt des Buches zum Themenbereich "Widerstand gegen den Nationalsozialismus", angefangen von Stauffenberg, der Weißen Rose bis hin zu den Deserteuren zeigt Wette, wie lange es gedauert hat, bis diese Akteure rehabilitiert oder überhaupt als Widerständler anerkannt wurden. Wolfram Wette selber hatte im Übrigen persönlich erheblichen Anteil daran, dass u.a. die Deserteure ihre Anerkennung erhielten.

Im schon erwähnten 3. Teil des Buches fasst Wette den durch das gemeinsame Forschungsprojekt im AHKF intensiv erforschten Rettungswiderstand zusammen, und beschreibt im Einzelnen die Taten von Anton Schmid, Karl Plagge und Wilm Hosenfeld. Im Jahr 2000 waren Dirk Heinrichs und Wolfram Wette in Yad Vashem, um die Akten über die Widerständler einzusehen. Dirk Heinrichs konzentrierte sich auf Hosenfeld. Durch den Film von Roman Polanski "Der Pianist" im Jahr 2002 wurde dann auch diese Person weltweit gewürdigt. Wette arbeitet heraus, wie insbesondere dieser Film und der vorhergehende "Schindlers Liste" geholfen haben, die Taten dieser Menschen auch in Deutschland endlich bekannter zu machen.

Mit dem 18. Kapitel "Verdrängt, vergessen, verleumdet – der lange Kampf um die unbesungenen Helden" endet dieses eindrucksvolle Werk. Es ist bedrückend zu lesen, wie die Widerstandskämpfer in der Adenauer-Republik als Verräter wahrgenommen wurden, und das nicht nur nicht nur in der BRD, sondern auch in Österreich: Die Witwe des Feldwebels Anton Schmid, der viele Juden gerettet hat, wurde in ihrem Heimatort regelrecht bedroht. In Solingen dauerte es bis in die 1990er Jahre, bis Friederich Gräbe, ein deutscher Zeuge gegen die Untaten der Nationalsozialisten in den Nürnberger Prozessen, geehrt statt denunziert und angefeindet wurde. Selbst der "Spiegel" hatte sich 1965 an der Denunziation dieses Mannes beteiligt. Erst 2001 distanzierte er sich davon.

Wolfram Wette hat mit seinen hervorragend zu lesenden Untersuchungen – zum Teil sind es auch öffentliche Vorträge – ein Gesamtbild der Widerstandskämpfer und Retter und vor allem der Rezeptions­geschichte in Deutschland vorgelegt. Mir kommt es vor wie eine Zusammen­fassung eines wichtigen Teils seiner langjährigen Forschungen und dem seiner Freunde, aber auch seines Einsatzes für die Anerkennung des Wirkens der vielen unbekannten Retter und der Deserteure. Dirk Heinrichs war dabei ein wichtiger Ideengeber, die Stiftung die schwelle hatte eine helfende Rolle.
Ehre wem Ehre gebührt. "Ehre" - sprich hohe Anerkennung gehört auch Wolfram Wette für sein langjähriges Engagement.